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«Ich bin fast so aufgeregt wie beim ersten Mal»

Meldung vom 20.02.2007 um 15:47

München (ddp-bay). Immer mehr Schlümpfe, Wikinger und Zauberer strömen in Richtung Bühne. Rund 10 000 Menschen drängen sich am Faschingsdienstag auf dem Münchner Viktualienmarkt, dreimal so viele wie im vergangenen Jahr. Alle wollen den alljährlichen Tanz der Marktweiber sehen, den Höhepunkt des Münchner Faschings. Weil die Händler in diesem Jahr auch den 200. Geburtstag des Viktualienmarkts feiern, hat sich der 33 Jahre alte Tanzlehrer der Marktweiber, Christian Langer, ein paar Schmankerl ausgedacht.

Zusammen mit den neun Frauen hat er sich in einer ruhigen Ecke im Kreis aufgestellt. Die Gruppe steckt die Köpfe zusammen. Blumen-Verkäuferin Désirée Schuster ist zum zehnten Mal dabei. «Trotzdem bin ich fast so aufgeregt, wie beim ersten Mal», sagt die 28-Jährige. Sie trägt ein rosa Rokoko-Kleid mit extra breiten Hüften, darüber ein geschnürtes Mieder. «Da bleibt einem schnell die Luft weg.»

Tanzlehrer Langer schwört seine Marktfrauen ein wie ein Fußball-Trainer. In wenigen Minuten werden zwei Polizisten sie zur Bühne eskortieren. Die Gesichtszüge der 16 Jahre alten Anna Müller verhärten sich. Die Saft-Verkäuferin trägt ein schwarzes Kleid, darüber ein rotes Mieder. Sie ist heuer zum ersten Mal dabei. Vier Monate lang haben sie und die anderen für diesen Moment trainiert. Langer flüstert ein paar Worte, dann schreien alle: «Zicke-Zacke, Zicke-Zacke, Hei Hei Hei!»

Sicherheitsleute sperren die Bühne ab. Während DJ Ötzi mit vier halbnackten Mädchen auf der Bühne steppt, stellen sich die Frauen und Langer an der Treppe auf. Als die Kirchenglocken 11.00 Uhr läuten, versucht sich Désirée Schuster eine Zigarette anzustecken. «Hat jemand Feuer», fragt sie mit zitternden Händen. Nach zwei Zügen wirft sie die Zigarette weg, hakt sich bei ihrer jungen Tanzpartnerin Anna Müller ein und stürmt mit den anderen die Bühne. «Die Kleine hat mich mit ihrer Nervosität angesteckt, aber wir haben uns gegenseitig wieder runter gebracht», sagt sie später.

Die Choreographie ist auf die Sekunde genau geplant. «Um 11.33 Uhr und 45 Sekunden muss Ende sein», steht auf dem Zettel, den ein Mann vom Fernsehen mit sich herum trägt. Das Bayerische Fernsehen überträgt das Fest heuer zum ersten Mal live. In den vergangenen Jahren haben die Frauen länger getanzt. Jetzt drängen die Fernsehleute auf ein abwechslungsreicheres Programm. Eine Zugabe dürfen die Marktweiber nicht geben.

Beim ersten der 14 Tänze wedelt Langer mit Strohhut und Spazierstock über die Bühne und singt ein französisches Lied nach. Das Publikum reagiert leicht irritiert und applaudiert verhalten. Mit jedem Lied wird der Applaus lauter. «Cha Cha Cha, Twist, Boogie» steht auf dem visitenkartengroßen Zettel, den sich der Tanzlehrer an die Hose geheftet hat. «Von Menuette bis Polka, ein Rückblick über 200 Jahre Tanzgeschichte, das haben euch die Marktfrauen geboten», wird er später sagen.

Beim «Can Can» haken sich die Frauen nebeneinander ein und reißen die Beine in die Luft. Die 16-jährige Anna Müller wirft ihren Hut weg und schlägt ein Rad - trotz ihrer hohen Absätze landet sie sicher. Désirée Schuster lächelt, wirft Handküsse ins Publikum und bewegt sich geschmeidig. Sie tanzt wie ein Profi. Anna Müller konzentriert sich auf ihre Schritte, ihr Lächeln sieht noch ein wenig gequält aus.

Bei «Let´s twist again» schütteln auch die älteren Damen ihre Arme und Beine. «Sind die nicht geil?», fragt eine Frau ihre Nachbarin. «Dieses Jahr können sie´s noch besser als sonst.» Auf der Bühne stößt sich die 48 Jahre alte Blumenverkäuferin Liane Willand-Schäfer immer wieder mit dem Po von ihrer Tanzpartnerin ab. Sie ist noch als einzige seit der Wiederbelebung der Tanz-Tradition vor 20 Jahren dabei. Ihre Kleider näht sie selbst.

Um 11.43 Uhr tanzen die Frauen und Langer einen Wiener Walzer, den Abschiedstanz. Während die Zuschauer in langen Reihen mitschunkeln, greift sich der Tanzlehrer das Mikrofon: «Viktualienmarkt, hat´s euch Spaß gemacht», schreit er mit heiserer Stimme. Die Menge johlt. Um 11.45 Uhr verbeugen sich die zehn Künstler. «Das war schon ein schönes Gefühl, dass die alle nur für uns klatschen», sagt die Debütantin Anna Schuster. «Im nächsten Jahr bin ich auf jeden Fall wieder dabei.»

(ddp)

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User-Kommentare

franke01 schrieb :

lol...das war mein erstes mal aber wesentlich aufregender gg

wypsilon schrieb :

unter Aufregung stell ich mir was andres vor....

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